Authentisch leben, was bedeutet das? Und was braucht es dazu?

Aktualisiert: 25. Aug 2019

Momentan begegnet mir die zwei Wörter „authentisch sein“ andauernd. Freunde erzählen davon, Klienten wollen es werden, Zeitschriften preisen es an und ich habe neulich einen Firmenboss sagen hören, dass er in der Arbeitswelt authentische Mitarbeiter vermisst. Weiss er, was er sich da wünscht?

Ein authentischer Mensch ist sich seiner selbst bewusst, kennt seine Stärken und Schwächen, ist ehrlich, egal was andere darüber denken, handelt stets nach seinen eigenen Werten und Überzeugungen, zeigt sich öffentlich verletzlich und verleugnet sich nicht. Die Fähigkeit sich voll und ganz authentisch zu zeigen bedingt daher viel Selbstreflexion. Wieso? Weil es nicht darum geht eine Rolle perfekt zu spielen, sondern eben die oder der zu sein die/der du wirklich bist. Die meisten Menschen wissen aber vor lauter Rollen spielen nicht mehr, wer sie sind und sein wollen.

„Ich bin authentisch!“ Diese Wörter sind ganz einfach geschrieben, doch in der Umsetzung sind sie richtig anspruchsvoll. Mal ehrlich, wie authentisch bist du wirklich?


Anders gefragt:

  • Wie lange schon tust du etwas, das dir eigentlich gar nicht entspricht und dir keinen Spass macht?

  • Wie viele faule Kompromisse gehst du immer noch in deinem Leben ein?

  • Wie oft sagst du „Ja“, würdest aber lieber „Nein“ sagen?

  • Kennst du die Gedanken: „Ich muss, ich sollte, es gehört sich, was denken die anderen“?

  • Wie oft hast du dich selbst und andere verurteilt und tust es immer noch?

  • Wann bist du das letzte Mal öffentlich zu deinen Schwächen gestanden?

  • Wann bist du an einer öffentlichen Versammlung oder auch nur bei einem Familienfest aufgestanden und hast ehrlich, unverfälscht als dich selbst und aus deinem Herzen heraus zu den Menschen gesprochen?

  • Und wenn du dich offen gezeigt hast, konntest du das völlig in der Ruhe und Liebe zu dir selbst und zu den anderen oder schwang da noch Wut, Widerstand, Ärger, Trauer und das Bedürfnis nach „recht haben wollen“ mit?

  • Und wenn du zurückhaltend und still warst, für was hast du dich geschämt oder vor was hast du dich gefürchtet?

Buuhh, auch mir wird es heiss und kalt zugleich, wenn ich vor einem grossen Publikum stehe und mich so zeige wie ich bin. Habe ich mich doch jahrelang in die Gesellschaft eingeordnet, wollte allen alles recht machen und genauso kompetent und cool sein wie Autoritätspersonen. Bis ich eines Tages erkannte, dass ich das nicht bin. Rein das Erkennen hat mich aber nicht authentisch gemacht. Im Gegenteil, ich war verwirrt. Als ich begann mich für Spiritualität zu interessieren, haben mir die Menschen entweder gesagt: „das bist nicht du“ oder „bist du schon in den Midlifecrisis?“ Ich habe mich gerechtfertigt und erklärt, bis ich erkannte, dass das alles nichts bringt. Authentisch sein fängt bei uns selbst an, nicht bei den anderen. Die anderen sind vielleicht verwirrt, weil sie ein anderes Bild von uns haben, sie werden sich aber daran gewöhnen.


Es geht also darum, dass ich für mich herausfinde wer ich bin und sein will. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil wir vergangenheitsgeprägte Vorstellungen und Konstrukte mit uns herum tragen, deren Auflösung bedingt, sich mit den Tiefen unseres Selbst auseinander zu setzen. Sich selbst kennen zu lernen ist daher immer ein Weg und nicht etwas das man an einem Tag erledigt. Wenn wir diesen Weg ehrlich und aufrichtig gehen, werden wir nicht mehr von äusseren Einflüssen bestimmt, was uns eine tiefe Zufriedenheit, Erfüllung und eine kraftvolle, interessante Ausstrahlung oder anders gesagt Charisma beschert. Authentizität ist also sozusagen ein Nebenprodukt, wenn wir uns selbst bewusst werden, in uns und das Leben vertrauen und beginnen verantwortungsvoll unser Leben selbst zu gestalten.


Wichtige Schritte für mehr Authentizität

  1. Meditiere mit der Frage: „Wer bin ich?“ Wenn du regelmässig meditierst, baust du eine Verbindung zu dir selbst auf. Deine wahren Bedürfnisse, Wünsche, Träume und dein einzigartiges Potential können sich so schrittweise zeigen. Stell dir vor der Meditation die Frage: „Wer bin ich?“. Beobachte dann, ohne zu kommentieren oder zu bewerten, welche Gefühle, Eindrücke und Empfindungen auftauchen, wenn du dir diese Frage immer wieder stellst. Kommentare, die aus deinen Gedanken entspringen lässt du einfach ziehen und schenkst ihnen keine weiteren Aufmerksamkeit. Nur beobachten und still sein.

  2. Sprich über deine Schwächen Es ist ja nicht so, dass du mit deinen Schwächen alleine bist. Sicher hast du schon die Erfahrung gemacht, dass wenn du beispielsweise über deine Ängste vor dem öffentlichen Sprechen mit jemandem geredet hast, er oder sie das auch kennt. Sprich also über deine Schwächen und spüre, wie du dadurch freier wirst. Bedenke: Manchmal haben die Menschen ein Talent und meistern etwas ohne Übung. Fast immer ist es aber nicht so. Wir alle dürfen unsere Fähigkeiten ausbilden und trainieren. Und die meisten unserer sogenannten Schwächen entpuppen sich nicht selten als Stärken, wenn wir ehrlich reflektieren, Ängste und Hindernisse transformieren und die gewünschte Fähigkeit trainieren.

  3. Sei achtsam und entscheide dich neu Sei achtsam in deinem Alltag und nimm wahr, wie du dich fühlst, wenn du beispielsweise faule Kompromisse eingehst. Ein Kompromiss ist dann faul, wenn du ja sagst, du aber lieber nein sagen möchtest oder wenn du nur etwas tust oder bist, damit du dazugehörst, geliebt, anerkannt und akzeptiert wirst. Wie geht es dir dabei, wenn du nicht ganz dich selbst bist oder nicht zu dir stehen kannst? - Fühlt sich dein Körper eher angespannt oder entspannt an? - Spürst du innerlich einen Widerstand oder bist du völlig frei? - Kommen Emotionen wie Wut, Ärger, Trauer und Empfindungen wie Müdigkeit, Lustlosigkeit auf, oder eher Freude, Zufriedenheit und du bist voller Tatendrang und Energie? Stelle dir dann dieselbe Situation nochmals vor, wenn du zu dir stehen und voll und ganz authentisch sein würdest. Wie würde es dir dabei gehen? Entscheide dich dann klar und konkret, wie du zukünftig mit solchen Situationen umgehen willst und beginne langsam, in deinem Tempo deinen Mitmenschen „danke und nein“ zu sagen, ehrlich zu kommunizieren und zu deinen Schwächen zu stehen. Als Vorbereitung kannst du dir dazu deinen Vorsatz so oder so ähnlich aufschreiben: „Wenn ich das nächste Mal „nein“ denke, etwas in mir aber automatisch ja sagen will, dann nehme ich all meinen Mut zusammen und sage: „danke dass du fragst und nein“. Wenn du es geschafft hast, klopfe dir selbst auf die Schultern, nimm dich in den Arm und gratuliere dir zu deinem Erfolg. Nimm wahr, wie dieser Erfolg sich anfühlt und feire dich selbst.

  4. Liebe dich selbst wie du bist Es ist echt schade, dass sich so viele Menschen für sich selbst schämen und denken, dass sie nicht gut genug sind. Dadurch geht zu viel Freude und Glück verloren. Fange an dich zu lieben wie du jetzt bist. Stehe jeden Morgen auf, schau in den Spiegel und sage dir selbst: „Ich bin gut wie ich bin, ich bin stolz auf mich und ich liebe mich“. Vielleicht fühlt es sich am Anfang ein bisschen komisch an und du kommst dir blöde vor, dir selbst diese Worte zu sagen. Wenn du es aber trotzdem ehrlich und kontinuierlich tust, wird sich die Wirkung entfalten und deine Selbstliebe gestärkt.

Ich wünsche dir den Mut und die Ausdauer, dich selbst zu leben. Viel Spass dabei :-)


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