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Ich kann nicht schlafen


Schlaflosigkeit

 

Wer kennt es nicht?

Wir wachen nachts auf, und die Gedanken beginnen zu kreisen.

Vielleicht wissen wir nicht einmal genau, warum – aber der Kopf läuft auf Hochtouren.

Das Gedankenkarussell ist in vollem Gange.

 

Manchmal kommen Gefühle dazu:

Wir fühlen uns unwohl, schwitzen, sind rastlos oder haben das Gefühl, nicht richtig atmen zu können.

Unangenehm. Mühsam. Zermürbend.

 

Wieso ist das so?

In solchen Momenten ist unser Nervensystem aktiv – genauer gesagt:

nicht im Ruhemodus.

Wir befinden uns innerlich in einem angespannten, wachen Zustand, obwohl der Körper eigentlich schlafen sollte.

 

Das kann viele Gründe haben:

  • weil uns Dinge beschäftigen,

  • weil wir zu viel zu tun haben,

  • weil Unerledigtes drängt,

  • weil wir Fehler bereuen,

  • weil wir keine Lösung sehen

  • oder Angst vor etwas haben.

All das gehört zum Leben, und jede und jeder kennt diese Nächte.

 

Vor allem mit zunehmendem Alter halten uns offene Themen häufiger wach. Natürlich spielen auch körperliche Faktoren wie hormonelle Veränderungen eine Rolle. Doch oft bedeutet nächtliches Wachsein vor allem eines:

Unser Unterbewusstsein versucht zu verarbeiten, was im Alltag keinen Raum bekommen hat.

 

Gut und recht.

Aber wie hilft uns diese Erkenntnis, wenn wir nachts wach liegen?

 

Der wichtigste Punkt zuerst:

Nächtliches Wachsein ist kein Fehler. Es ist ein Signal.

 

Ein Signal deines Nervensystems, dass es noch nicht in Sicherheit ist.

Dass etwas gesehen, gefühlt oder sortiert werden möchte.

 

Viele versuchen dann, die Gedanken wegzudrücken. Oder sie kämpfen gegen das Wachsein an:

  • Ich muss jetzt schlafen.

  • Warum kann ich nicht einfach abschalten?

 

Doch genau dieser innere Widerstand hält das System aktiv.

 

Der erste Schritt: nichts verändern wollen

So paradox es klingt – Entlastung beginnt oft dort, wo wir aufhören, etwas erzwingen zu wollen.

 

Statt gegen die Gedanken anzukämpfen, kannst du innerlich sagen:

Ah. Mein System ist wach. Es versucht gerade, mich zu schützen oder etwas zu verarbeiten.

 

Allein diese Haltung nimmt Druck heraus.

 

Dein Nervensystem braucht in diesem Moment nicht Analyse, sondern Orientierung und Sicherheit.

 

Kleine Impulse für die Nacht

Nicht als Methode, sondern als Einladung:

  • Richte deine Aufmerksamkeit bewusst auf deinen Körper (z. B. den Kontakt der Matratze, dein Gewicht, deine Atmung).

  • Atme langsam aus – etwas länger, als du einatmest (das unterstützt den Wechsel in den Ruhemodus).

  • Benenne innerlich, was gerade da ist. Gedanken, Unruhe, Enge – ohne es bewerten zu müssen.

  • Erlaube dir wach zu sein. Schlaf stellt sich oft erst ein, wenn er nicht mehr erzwungen wird.

 

Es geht nicht darum, die Nacht „zu lösen“. Sondern dem System zu signalisieren:

Du bist sicher. Du musst nichts mehr tun.

 

Und langfristig?

Wenn Nächte immer wieder unruhig sind, lohnt es sich, tagsüber genauer hinzuschauen:

  • Wo halte ich innerlich Spannung?

  • Was bleibt unausgesprochen oder ungefühlt?

  • Wo funktioniere ich, statt wirklich da zu sein?

  • Was bräuchte mehr Raum, bevor es sich nachts meldet?

 

Nächtliches Wachsein ist oft kein Schlafproblem. Es ist ein Bewusstseinsthema.

Und genau dort beginnt Veränderung.

 

Wenn die Nacht spricht

Vielleicht geht es in diesen Nächten gar nicht darum, schneller wieder einzuschlafen.

Vielleicht geht es darum, zuzuhören.

 

Die Nacht ist stiller als der Tag.

Weniger Ablenkung. Weniger Rollen. Weniger Funktionieren.

Was tagsüber keinen Raum bekommt, meldet sich hier – leise, beharrlich, ehrlich.

 

Nicht um dich zu quälen.

Sondern um gesehen zu werden.

 

Manchmal genügt es, nicht sofort eine Antwort zu finden.

Sondern präsent zu bleiben.

Mit dem, was da ist.

 

Schlaf kehrt oft dann zurück, wenn wir aufhören, ihn zu verlangen und beginnen, uns selbst zuzuhören.

 

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie viel Entlastung entsteht, wenn innere Prozesse Raum bekommen.

Wenn nichts gelöst werden muss.

Wenn Gedanken nicht weggeschoben werden.

Wenn das, was da ist, einfach da sein darf.

 

Manchmal braucht es dafür keinen nächsten Schritt.

Nur einen Moment des Zuhörens.

 

 
 
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