Gelassenheit in spannungsgeladenen Zeiten finden

Bleiben wir in schwierigen Zeiten entspannt und gelassen, entziehen wir dem Problem die Existenzgrundlage.



Wir leben in einer Welt, in der es keine Sicherheit zu geben scheint. Tag für Tag wachen wir morgens auf und neue Unsicherheiten werden uns präsentiert. Jetzt gerade meine Freunde zeigt sich die Welt von ihrer durchaus unbeständigen Seite. Gefahren bedrohen unsere Existenz, unsere Freiheit und unser Leben. Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft gefragt, was uns diese Krise mitteilen möchte. Denn in jedem Moment des Lebens geschieht nichts umsonst. Oder würdest du im Hinblick auf deine bereits durchlebten Krisen nicht dasselbe sagen? Bist du nicht aus jeder Krise gewachsen und hat sie dich nicht auf eine Art und Weise weiter gebracht? Der einzige Feind, der Wachstum und Befreiung verhindern kann, ist Widerstand. Wenn wir die Fähigkeit verlieren, das Leben zu nehmen wie es ist, uns dagegen stellen und es nicht so haben wollen, dann verhindern wir, dass aus der Krise etwas Gutes entsteht und wir verhindern unser eigenes Weiterkommen. Zugegeben, es ist nicht immer leicht alles zu akzeptieren wie es ist. Schliesslich verlieren einige von uns gerade ihre Existenzgrundlage, andere fürchten sich vor dem Virus und damit vor dem Tod und nicht wenige spüren, dass ihre Freiheit, ihr Recht auf Selbstbestimmung gerade verloren geht. Ich möchte in keinster Weise eine der polaren Wahrheiten bewerten. Wie einst ein Weiser sagte, liegt die eine Wahrheit nicht in den Polen, noch in der Mitte, sondern immer dahinter. Aber was ist damit gemeint? Dahinter… Betrachten wir die Welt aus der Vogelperspektive, ohne Anhaftung an unsere Persönlichkeit, ohne unser Wertesystem, sondern vollkommen frei, dann erahnen wir Bedeutung dieser Worte.

Was momentan geschieht, ist dass sich aufgrund der aussergewöhnlichen Situation Menschen voneinander trennen und anfeinden. Es gibt die Menschen mit der Mainstreammeinung und diejenigen, die es gar nicht so sehen. Eine Demokratie würde eigentlich beide Meinungen grosszügig zulassen. Vertreter aller Richtungen würden sich an einen Tisch setzen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Weil Ängste vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, vor Verlust, vor dem Tod usw. zu gross sind, werden nun andere Meinungen nicht mehr zugelassen und unterdrückt. Das tut mir weh, das gehört nicht in eine Demokratie. Weder vernünftige, noch vereinigende Entscheidungen werden getroffen – die Angst herrscht vor. Ob Angst vor Verlust des Jobs, einer Existenz, vor dem nicht Dazugehören, vor der Schuld, vor dem Verlust der Gesundheit oder gar vor dem Tod spielt dabei keine Rolle. In uns werden Ängste getriggert, die dazu führen, dass Menschen sich anfeinden, unethisch miteinander umgehen, einander anprangern oder denunzieren, womit das grösste Heilmittel aller Zeiten verloren geht: die Liebe. Ohne Liebe kein Frieden, ohne Mitgefühl kein Verständnis, ohne Vertrauen keine Hoffnung. Und je mehr Angst, Widerstand und negative Gedanken, desto schwächer wird unser Immunsystem.


Meine Fragen heute an dich ist deshalb: Wohin wünschst du dir, dass die Gesellschaft gehen soll? Wollen wir feindselig zusammen leben oder die Meinungsfreiheit feiern? Wir haben ein Wahl und zwar immer. Geben wir die Macht der Liebe oder der Angst ab? Übernehmen wir Verantwortung für uns, für unsere Zukunft und für unsere Entscheidungen oder treten wir sie anderen ab?


Vielleicht ehren wir den heutigen Tag als Tag der Toleranz und Liebe. Vielleicht beginnen wir unsere Ängste zu akzeptieren und deren wahre Natur in einem klaren Licht zu erkennen, sie an die Hand zu nehmen und der Liebe dadurch wieder den Raum zu schenken, in dem sie sich entfalten kann. Wir haben die Wahl. Nicht der Nachbar, sondern ich kann damit heute beginnen.

Immer wenn du mit überwältigenden Emotionen, Gedanken und Situationen konfrontiert bist, kannst du folgende Schritte nutzen, um Ausgeglichenheit, Gelassenheit, Entspannung und inneren Frieden wieder zu finden.

  1. Sei achtsam und nimm möglichst neutral wahr, was gerade geschieht. Was fühlst du, was empfindest du, welche Emotionen tauchen auf?

  2. Erlaube diesem Zustand widerstandslos da zu sein. Spür deine Gefühle, lass sie so gut wie es geht zu (nichts erzwingen - lass dich bitte unterstützen, wenn du traumatisiert bist). Vielleicht spürst du einen Widerstand, dann nimm möglichst wertefrei wahr, was du nicht fühlen willst.

  3. Erforsche mit einer liebevoller Aufmerksamkeit die momentane Situation. Fragen dich beispielsweise: «Was will jetzt gerade am meisten gesehen werden? Was zeigt mir meine Emotionen?» Baue dabei eine Art Beziehung mit deinen Emotionen wie Angst, Scham, Schuld, Wut, Ärger, Trauer etc. auf.

  4. Erkenne deine Gedanken, die zu dieser Situation entstehen. Mit was bist du nicht einverstanden? Was ärgert dich, wieso bist du traurig oder beschämt? Was denkt es in dir? Frage dich: ob du 100%ig sicher sein kannst, dass deine Gedanken wirklich wahr sind. Was könnte auch noch wahr sein? Erkenne, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt.

  5. Frage dich, was du jetzt gerade am meisten brauchst? Wenn dir nichts einfällt kannst du dich fragen, was dir jemand raten würde, der dich liebt oder dem du vertraust.

  6. Betrachte dich und die Situation aus einer Vogelperspektive und erkenne die Freiheit, wenn du aus der Beobachterposition auf die Situation schaust. Geniesse den Augenblick des inneren Friedens und spüre die grosse Wahrheit hinter allen Ereignissen. Vielleicht nimmst du eine Präsenz wahr, deine innere Weisheit oder Spirit. Bleib einen Moment dabei. Nimm dann zum Schluss den Unterschied deines Befindens zwischen dem Beginn und Ende dieser Schritte wahr.

Alles Liebe, Karin