Unter jedem Dach ein Ach - Krisen enthalten immer Chancen und Möglichkeiten

Eine Klientin kam heute zu mir in die Praxis und begann die Beschreibung ihrer momentanen Situation mit: „Ach Karin, es ist so schwierig…“ Die Worte erinnerten mich an das Sprichwort, das meine Freundin immer mal wieder sagt: „Unter jedem Dach wohnt ein Ach“. Der Volksmund spricht hier von Schwierigkeiten, denen wir alle irgendwann in unserem Leben begegnen. Wir können noch so lichtvolle Momente erleben, doch wo Licht ist, muss auch Schatten sein. „Ach,“ erzählte sie weiter „gerade noch habe ich gedacht mein Leben im Griff zu haben und dann gesteht mir mein Mann, dass er eine Freundin hat. Ich dachte wir hätten es geschafft und unsere Partnerschaft gefestigt. Und jetzt wird mir der Boden unter den Füssen weggezogen. Mein ganzes Leben fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus.“ Meine Klientin, nennen wir sie Alina, führte ein typisches Sonnenseitenleben. Sie heiratete relativ früh ihre grosse Liebe und sie verbrachten wunderschöne Jahre. Dann kamen die Kinder und Alina ging in ihrer Mutterrolle auf. Ihr Mann machte Karriere. Gemeinsam kauften sie sich ein grosses Haus, genossen zweimal im Jahr einen Urlaub und lebten glücklich und froh, bis… An dieser Stelle käme eigentlich: bis dass der Tod sie scheidet. Dies ist aber die Geschichte, die wir so nur in Märchen vorfinden. Das Leben erzählt eine andere Geschichte. Die Kinder sind erwachsen, Alina wird nicht mehr gebraucht, sie erlebt sowieso schon eine Sinnkrise und wird darüber hinaus noch verlassen. Diese einseitige Darlegung soll nicht implizieren, dass Alina die Arme und ihr Ehemann der Böse ist. Jede Geschichte hat immer zwei Seiten. Alina steht hier sinnbildlich für viele Frauen und Männer mittleren Alters. Meist bei den Frauen etwas früher, dennoch taucht auch bei den Männern irgendwann die Frage nach dem Lebenssinn auf.

Alina befindet sich also in einer Krise. Sie fühlt sich bestraft, gedemütigt, haltlos und ihr Leben macht keinen Sinn mehr. Auch wenn sie es nicht offensichtlich bemerkt hat, begann diese Krise schon viel früher. Bei näherem Hinschauen erkannte sie dann auch, dass sie bereits seit Jahren nicht mehr richtig gelebt hatte. Schon lange hatte sie sich zugunsten eines hervorragenden Familienbildes angepasst, verdreht, ihre wachsende Unzufriedenheit verdrängt, Konflikte übersehen und sich für alle anderen aufgegeben. Alina steht an einem Punkt in ihrem Leben, der ein Neuanfang verlangt.


Ich erinnere mich an meine frühere Klientin Sandra, die ähnliches durchmachte und mir vor kurzem sagte: „Diese Krise war das Beste, was mir passieren konnte!“ Sie lebt heute ein authentisches, selbstbestimmtes und befreites Leben und tut darüber hinaus was sie liebt. Sie sagt: „Ich habe dank der Krise ein Leben bekommen. Jeden Morgen freue ich mich und ich bin unendlich dankbar dafür.“ Hört sich ermutigend an, gerade wenn man an einem Tiefpunkt im Leben steht. Aber auch Sandra ist dieses neue Leben nicht einfach so zugefallen. Sie durchlebte eine schlimme Krankheit, die zur Trennung mit ihrem damaligen Mann führte. Wieso gelang es Sandra ihre Krise hinter sich zu lassen und ein solch tolles Leben zu erschaffen? Welche Schritte helfen Alina wieder zurück zu einem erfüllten Leben zu finden?

Falls du auch an einem solchen Punkt stehst, dann mögen dir folgende Schritte helfen, nicht nur Mut für einen Neuanfang zu schöpfen, sondern auch dein Leben nach deinem Wunsch neu zu gestalten.


Schritte aus der Krise heraus:

  1. Übernimm die volle Verantwortung für deine momentane Lebenssituation Ja ich weiss, dieser Punkt mag vielleicht etwas schwer klingen, sollte er aber nicht. Übernimmst du die volle Verantwortung für dein Leben, erhältst du automatisch auch die Macht zurück dein Leben frei zu gestalten. Ohne Verantwortung keine Macht. Wenn du dem Wort Verantwortung die schwere Last abnimmst, die entsteht wenn du Verantwortung mit Schuld gleichsetzt, wird es ganz leicht. Es geht nicht darum, dass wir uns als schuldig bekennen. Schuld ist ein Konstrukt der Menschheit, das aus Unwissenheit entstanden ist und viele Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende dazu benutzt wurde, Menschen zu knechten. Höre auf dich selbst zu knechten und lege das Konzept der Schuld ab. Stehe vor den Spiegel und sage dir täglich „Ich habe es so gut gemacht wie ich konnte.“ Wiederhole diesen Satz so oft, bis er zu deiner Wahrheit geworden ist.

  2. Lasse alte Geschichten los und vergebe deinen Widersachern Wir alle haben bereits in unserer Kindheit unbewusst die Schienen gelegt, die unser Leben zu dem machten, womit wir heute leben. Alle Dramen, Traumas und sonstige seelischen Erschütterungen haben uns genug weh getan. Es ist Zeit sie abzulegen. Manchmal muss man durch einen alten Schmerz gehen, damit man ihn endlich loslassen kann. Manchmal hilft es sich lediglich auf die Liebe auszurichten. Viele Wege führen nach Rom. Wenn du frei leben willst, ist es aber unabdingbar, dass du mit vergangenen Geschichten aufräumst und den Menschen vergibst, die darin involviert waren. Anerkenne deinen Anteil, wisse, dass du und sie es so gut gemacht haben wie sie konnten und öffne dich für Vergebung. Vergib dir ehrlich und aufrichtig selbst, bitte um Verzeihung und verzeihe deinen Mitmenschen.

  3. Liebe dich selbst Wenn du wahrhaft verzeihen kannst, hast du dich bereits für die Liebe zu dir selbst geöffnet. Selbstliebe ist der Schlüssel sowohl für ein freies und selbstbestimmtes Leben, als auch für Erfüllung und Glück. Lerne dich selbst zu lieben, egal was du tust, wie du aussiehst, wer du glaubst zu sein und was du bisher geleistet hast. Wenn wir uns für die Liebe zu uns selbst öffnen, werden wir Liebe empfangen.

  4. Sei authentisch Je mehr du dich traust zu dir selbst zu stehen, zu sagen was du denkst, ohne dabei verletzend zu sein, zu deinen Werten stehst und je mehr du tust, was dir entspricht, desto glücklicher und erfüllter wird dein Leben.


Sandra ist diesen Schritten mutig und unermüdlich gefolgt. Auch wenn es Rückschläge gab, blieb sie dran. Sie wusste wofür sie das tat, sie wollte ein neues, tolles Leben.

Alina hat sich auf den Weg gemacht. Sie fühlt in sich die Hoffnung auf ein Leben, bei dem ihre Bedürfnisse, Werte und ihr Potential im Mittelpunkt stehen. Sie hat verstanden, dass sich für andere aufzuopfern weder etwas mit Liebe, noch mit wertvoller Hilfe zu tun hat. Sie spürt, dass wenn sie sich selbst lebt, sowie das tut, was sie liebt und dazu steht, dies das wahre Geschenk für ihre Mitmenschen ist. Denn wir ermächtigen unsere Mitmenschen sich selbst zu sein und Glück und Fülle zu finden, wenn wir es ihnen vorzeigen. Und so wird das Sprichwort: „Unter jedem Dach wohnt ein Ach“ in ein neues Licht gerückt. Wird das Ach verantwortungsvoll akzeptiert und ins Licht der Liebe gerückt, wandelt es sich in ein Geschenk, in Wachstum, in neues Glück und Erfüllung.


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